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Wie du geboren wurdest (10)

Die 'Wächter des Lebens'

Gefühle und Empfindungen sind das Kostbarste, das der Mensch besitzt.

"Gefühle und Empfindungen sind doch nicht wichtig, sie kommen und gehen, am besten vergisst man sie sogleich." Wer so denkt, ist ein Mensch unserer Zeit, der Zeit, die soviel Achtung vor brillantem Verstand und sprühender Intelligenz bekundet und sie hoch honoriert. Dabei wird übersehen, dass Empfindungen und Gefühle das Lebewesen seit Jahrmillionen leiten und führen, dem Verstand dagegen, erdgeschichtlich gesehen, erst seit kurzer Zeit soviel Bedeutung zukommt. Wir können nach wie vor nicht ohne Empfindungen und Gefühle leben. Sie sind immer noch die Behüter unseres Wesens, unseres Lebens. Daher sind sie das Kostbarste, das der Mensch besitzt. Diese zwei 'Instanzen' überwachen und beeinflussen uns ununterbrochen, selbst im Schlaf. Sie orientieren uns über alles in unserem Leben, wenn wir auf sie hören: über die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, über das Bekömmliche und das Schädliche. Es gilt, die 'Wächter unseres Lebens' zu beachten, unsere Aufmerksamkeit, unsere offene Sensibilität für sie zu bewahren und zu pflegen. Am Anfang unseres Lebens sind unsere 'Lebenswächter', die Empfindungen und Gefühle, noch stark und wach. Wir müssen darum besorgt sein, sie so zu erhalten, wie wir sie brauchen. Wir müssen zusehen, dass die 'Wächter' nicht betäubt, eingeschläfert, stumpf, taub, betrunken und kraftlos werden. Wir dürfen die Kinder nicht dazu verleiten, nicht mehr auf 'ihre Wächter', die die Natur während Jahrmillionen ausgebildet hat, zu hören. Bewusstwerden und Bewusstbleiben heißt, auf die natürlichen, primären Empfindungen und Gefühle zu hören, sie zu beachten und sich von ihnen leiten zu lassen. Die Forderung der Zeit heißt: Wir müssen die Bescheidenheit zur Natur wiederfinden, sie achten und ihre Hilfeleistung behüten lernen.

Mit anderen Worten: Das Kind braucht Liebe. L I E B E ist kein Ding. Liebe ist Leben, Leibsein. Liebe ist aktives Besorgtsein um das Leben. Die Liebe ist durch die Stillung der Lebensbedürfnisse erfüllt. Das Leben schafft Bedürfnisse. Diese zu stillen oder gestillt zu bekommen ist erhaltendes Lieben. Das Kind will nur geliebt werden.