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Wie du geboren wurdest (8)

Kriminalität

Kriminalität ist die Perversion der Achtung vor dem anderen Leben und seinen Bedürfnissen,
die verantwortungslose Missachtung und Verachtung anderer Menschen und deren Eigentum.

1959 wurde von der UNO-Vollversammlung die 'Erklärung der Rechte des Kindes' angenommen. Diese in zehn Sätzen gefasste Erklärung würde jede Kriminalität zuverlässig unmöglich machen, wenn sie befolgt würde. Leider werden 'die Rechte des Kindes' auch heute noch, vierzig Jahre nach ihrer Proklamation, kaum wahrgenommen, geschweige denn geschützt. Jedermann kann sich in Biographien von Kriminellen, insofern diese vollständig sind, über die Entstehung der verbrecherischen Haltung informieren. Es ist nicht schwierig, die Gründe (Auslöser) für die späteren Verbrechen in den Kindheitsgeschichten nachzuweisen, wenn man weiß, dass es immer um die Verletzung der Integrität des Kindes und um den unterlassenen Bedürfnisschutz geht.

Es ist immer noch von Perversionen die Rede. Beruht denn Kriminalität auch auf nicht erfüllten Bedürfnissen? Ja, im wesentlichen auf Verleugnung der Verantwortung. Das Kind kennt seine Rechte nicht und kann diese auch nicht fordern. Wenn die Verantwortung für die Rechte des Kindes weder von den Eltern noch von der Gemeinschaft wahrgenommen wird, wächst das Kind teilweise oder vollständig rechtlos auf. Recht auf Schutz und Versorgung hat jedes Kind, gerade weil es nie gefragt worden ist, ob es in diese Welt gesetzt werden möchte. Seine Sozialkompetenz, die tragende Eigenschaft zur Erhaltung der menschlichen Gesellschaft, erwächst aus den positiven Erfahrungen und der Wahrnehmung der Verantwortung seiner Vorbilder ihm selbst und der Umwelt gegenüber. Ein Kind, dessen Bedürfnisse erfüllt werden, wird als Erwachsener gemeinschaftsfähig und sozialkompetent.

Das erste, für das Wohlbefinden des Kindes entscheidende Bedürfnis ist das Bedürfnis nach Achtung. Jedes Kind, das be- und geachtet wird, kann alle weiteren Bedürfnisse anmelden und hat Aussicht, dass diese befriedigt werden. Es wird vielleicht nicht satt an Nahrung, Bildung usw., aber es kann nachfragen und wird nicht zurückgestoßen oder mit Ausreden vertröstet. Geachtete Kinder können sich orientieren und achten ihrerseits die Bedürfnisse der anderen. Solche Kinder begehen keine Verbrechen, um Vorteile zu erlangen oder um sich für ein vermeintliches Unrecht zu rächen. Diese Kinder werden besorgt sein, das Recht auf Leben und das Recht auf Befriedigung der natürlichen Bedürfnisse zu schützen.

Kriminalität ist die Perversion des Bedürfnisses nach Achtung. Pervertiertes Achtungsverhalten dem Nächsten, der Gemeinschaft und dem Lebewesen gegenüber ist das Resultat der Nicht-Achtung. Die Bedürfnisbeachtung und Befriedigung, die Eltern den Kindern schuldig geblieben sind, werden von den Söhnen und Töchtern auf andere Menschen und Institutionen verschoben. Sie suchen die Beachtung und Befriedigung der inzwischen pervertierten Bedürfnisse von der Umwelt mit Gewalt zu erzwingen oder mit List zu erreichen.

Kriminalität ist der anmaßende Anspruch auf das Recht des Stärkeren, Klügeren oder Raffinierteren, dem es angeblich zusteht, sich zu nehmen, was er kann, und zu tun, was ihm beliebt. Wenn er dabei erwischt wird oder umkommt, ist das ein Lebensrisiko wie ein anderes auch. "Er hat gelebt und seine Möglichkeiten genutzt", wird es heißen. Von den Schäden, die er angerichtet hat, spricht man nicht lange. Kinder, die zur Kriminalität verführt worden sind, können nicht glücklich werden. Gleichgültig, auf welche Tätigkeit sie sich spezialisiert haben, ob in der Wirtschaft, Politik, Wissenschaft oder im Verbrechersyndikat, sie werden immer andere schädigen. Leider gibt es in allen Berufen kriminelles Verhalten.