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Wie du geboren wurdest (7)

Perversionen

Perversionen dienen dazu, körperliche oder seelische Schmerzen zu umgehen, die entstehen, sobald das natürliche, primäre Bedürfnis gefühlt wird. Perversionen haben zudem die Funktion, Ängste und Schmerzen aus traumatischen Erlebnissen zu überdecken und unkenntlich bleiben zu lassen.

Wie am Beispiel der Sexualität gezeigt, kann jedes menschliche Bedürfnis entarten, zur Perversion werden und Leiden verursachen. Der Grundmechanismus ist immer derselbe: Wenn die primären Bedürfnisse missachtet oder vernachlässigt worden sind und dabei Angst und Schmerz erlitten wurden, die das Kind nicht einordnen konnte, besteht die Gefahr der Perversion. Für den Betroffenen bleibt keine andere Möglichkeit, als den inneren Androhungen auszuweichen. Er wird entweder Sexualität vermeiden oder diese in einer pervertierten Form ausleben. Für ihn ist es unmöglich zu erkennen, dass die Perversion (das entartete Bedürfnis) ein Schutzverhalten ist, um Schmerz und Täuschung zu vermeiden. Je mehr die Perversion als legitimes Bedürfnis Anerkennung findet, um so stärker wird das natürliche Bedürfnis verschüttet.

Vom stets aufs neue verletzten Kind dürfen die natürlichen Bedürfnisse nicht mehr wahrgenommen werden, das ist zu gefährlich und zu schmerzlich. Das verletzte Kind ist furchtsam, angst- und schmerzbedroht und schwört seiner Natürlichkeit geradezu ab, um den bedrohlichen Erinnerungen und Erwartungen zu entgehen.

Alle sexuellen Perversionen sind Abkömmlinge von Verletzungen der kindlichen Integrität. Konzentriert man sich in der Therapie aber nur auf das Auffinden sexueller Ereignisse, wird damit die Therapie blockiert. Es braucht Zeit, bis die Wahrheit erkannt werden darf und bis sie ertragen wird. Voraussetzung der therapeutischen Hilfe ist die Offenheit des Patienten. Wenn er sich aus Scham über seine Not ausschweigt und sich immer wieder, um dem alten körperlich-seelischen Schmerz ausweichen zu können, selber Schmerz zufügt oder zufügen lässt, kann er sich nicht erfolgreich helfen lassen. Männer und Frauen, die als Kind sexuell missbraucht worden sind, neigen dazu, sich überreizen und Schmerz zufügen zu lassen. Damit verhindern sie das Aufsteigen der Erinnerungen und müssen den Primärschmerz nicht fühlen. Solche 'Deckerlebnisse' verschaffen den Leidenden eine vorübergehende Erleichterung. Sie entsprechen einer Sucht und begünstigen Verletzungen, die das Leiden zementieren. Perversionen, exzessive Sexualität oder Prostitution sind immer Folge von mehrfachen Verletzungen an Körper und Seele des Kindes. Diese Leiden können nur mit der vollständigen Bereitschaft des Leidenden geheilt werden.