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Wie du geboren wurdest (6)

Bedürfnisse

Die logische Aufrechnung aller Tatsachen führt zu der erschreckenden Erkenntnis,
dass der unbewusste Versuch, nachträglich der Geburtsfolter zu entgehen,
immer wieder unerwünschte Kinder hervorbringt. Somit kann das wichtigste Bedürfnis,
das Paarungsbedürfnis, das die Erhaltung menschlichen Lebens sichert und ohne Sexualität nicht durchführbar ist, durch mit Schmerz verbundene Ereignisse verwirrt und zur Perversion werden.

Die Sexualität und in ihrer Folge ungewollte Schwangerschaften waren bis zur Entdeckung des Fruchtbarkeitszyklus eine Not der Menschheit. Das ist auch heute trotz zahlreicher Verhütungsmittel noch so. Was treibt den Menschen zu ungewollter Zeugung?

Heute müsste sich jeder zeugungsfähige Mensch bei sexuellen Begegnungen klar darüber sein, was er will: ein erotisches Liebeserlebnis oder in Liebe ein Kind zeugen. Falls ein Kind gezeugt werden soll, muss dies in Verantwortung für das zukünftige Leben geschehen. Ein Kind unwissend oder als Spielzeug ins Leben zu setzen, ist ein Verbrechen. Sexualität dient leider allzu oft als Vehikel zum Abreagieren unterschiedlichster, latenter Reaktionen, als lustvoller Machtmissbrauch, als Ausdruck der Verachtung oder zum lustvollen Schmerzzufügen. Liebe vorzutäuschen, um sich sexuell abreagieren zu können, ist vermutlich die häufigste Form des Missbrauchs.

Erregung ist eine Folge der Aufregung, ein Alarm- oder Mobilisationsgeschehen im Organismus. Die Erregung schließt immer alle Organe, besonders die für das Überleben wichtigen Organe mit ein. Bei jeder Erregung spielen alle früheren Ereignisse oder Geschehen mit, die mit Erregung einhergingen. Die Qualität der bisherigen Erfahrungen bestimmt weitgehend mit, wie wir die Erregung in der Gegenwart erleben können. Ob wir bewusst 'bei uns sind' und die Erregung genießen oder ob wir in Panik geraten, ist von unseren Erfahrungen abhängig. Eine Erfahrung spielt dabei immer eine Hauptrolle und führt Regie: Es ist die Erfahrung der Geburt, weil diese meist den bisher umfassendsten Erregungszustand im Leben hervorgerufen hat. Je besser, positiver, stärkender eine Geburt war, um so freier, erfüllender und glücklicher kann eine Erregung und somit Sexualität erlebt werden. Je schmerzhafter und belastender eine Geburt war, um so dringlicher und zwanghafter muss eine Erregung abreagiert, gelöscht werden. Im Sexuellen hat das Störungen zur Folge, die sich als Perversionen oder Impotenz bemerkbar machen. Auch die Suche nach nie erlebter Geborgenheit, nach Sicherheit und Schutz kann bei unbeabsichtigten Zeugungen ein Motiv sein. Der unbewusste Zwang, sich aus dem drohenden Untergangs- und Schmerzerlebnis (Geburt), das durch die Erregung angemahnt wird, zu befreien, ist stärker als jede Vernunft.