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Wie du geboren wurdest (5)

Fühlendes Dasein

Mütter benötigen die Unterstützung der Väter und die Anerkennung der Gesellschaft,
um 'Leben spenden zu können'.

Angesichts des grauenhaften 'Schicksals' der Betroffenen darf man die vielen Belastungen kaum erwähnen, die vermeidbares Leiden verursacht. Vorsorge würde das Leiden vermeidbar machen. Einzelne verstehen es, aus ihrem Leiden eine Tugend zu bilden. Das mag eine Hilfe sein und dem gestörten Dasein einen Sinn geben, es bleibt jedoch ein bitterer Ersatz für eine volle Lebensentfaltung. Das Kind, der Mensch, bringt seine Not täglich zum Ausdruck. Das ist die Chance der Eltern, ihrem Kind zu helfen.

Es ist tatsächlich möglich, schwere Verletzungen zu heilen. Voraussetzung ist das Beachten der Signale, der Appelle des Kindes. Jede Beruhigung und echte Bedürfnisbefriedigung stillt sein Irritiertsein. Die liebevolle Körperpflege und die Bestätigung, dass das Menschlein achtenswert und liebenswert ist, helfen nahezu alle Wunden zu heilen. Erkannte Verletzungen, Verunsicherungen und Verwirrungen können mit Worten und Taten rückgängig gemacht werden.

Heilung erfordert meistens sehr viel Zeit, Ausdauer und Geduld; die Freude am Erfolg wird der Lohn für den Aufwand sein. Dabei ist zu beachten, dass das überlastete Kind für längere Zeit keine Befriedigung oder Freude zum Ausdruck bringen kann. Es kostet am Anfang viel Mühe, das Kind zufriedenzustellen. Es ist empfindlich und rasch gereizt, wird sehr oft Angst äußern und den Eindruck erwecken, es sei in seinen Bedürfnissen unstillbar. Das Kind wird der 'neuen Ordnung' nicht sofort trauen können, es hat sich bereits ein Abwehrsystem geschaffen, welches nicht sogleich wieder fällt. Es braucht fühlende Eltern, die ihre Bereitschaft zu Zuwendung und Aufmerksamkeit beibehalten, bis es wieder Vertrauen fassen kann.

Leider werden viele Eltern nie auf die Not ihres Kindes aufmerksam und sind nicht bereit, sich in Frage zu stellen, um damit ihrem Kind zu helfen. Eher wird 'das Problem' den Fachleuten aufgebürdet, die nur allzu oft vom wirklichen Leidenszustand und dessen Hintergrund keine Ahnung haben, unter anderem auch, weil sie von den Eltern nie vollständig informiert werden. Sofort einsetzende Hilfe ist der zuverlässigste Schutz vor chronischem Leiden. Mütter, die ihr Kind nach einer schweren Geburt beruhigen und stillen, können es immer wieder ermuntern, können bleibenden Schaden vermeiden. Schaden kann 'repariert' werden, indem die Eltern ihr Kind mit der notwendigen Sorgfalt und liebevoll behandeln. Nachdem ihm Schmerzen zugemutet wurden, braucht es wohltuende Zuwendung für Körper und Seele.

Die Mutter braucht ihrerseits die Hilfe von außen und eine innere Sicherheit, die ihr ermöglichen, fühlend dazusein. Stillen kann nach der Geburt die intensivste lustvollste Kommunikation zwischen Mutter und Kind sein. Die Muttermilch enthält nicht nur alle Abwehr- und Aufbaustoffe für das Kind, die Organe und Tätigkeiten des Kindes werden beim Trinken an der Brust auch lustvoll stimuliert, was wiederum eine befriedigende Beziehungsfähigkeit vorbahnt. Genussreiches Stillen ist eine ausgezeichnete Voraussetzung für eine positive psychosoziale Entwicklung. Die spendende, stimulierende Mutter erzeugt im Kind ein positives Ich-Gefühl und damit eine stabile Grundlage für seinen Selbstwert als Lebewesen. Ein rundum befriedigtes Kind wird danach trachten, lustvoll zu leben und seine Lebenslust weiterzugeben.