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Pioniere in einer neuen Zeit (1)

Vergangenheits-, Gegenwarts- und Zukunftsbezug

Aus der Hand der amerikanischen Kulturanthropologin Margaret Mead liegt eine Neuauflage eines Buches vor, das auch dreißig Jahre nach seiner Erstveröffentlichung noch aktuell und von besonderem Interesse ist. Es handelt sich um den Titel 'Der Konflikt der Generationen - Jugend ohne Vorbild'. Margaret Mead (1901-1978) beschreibt darin den Wandel der Kulturen und die Stellung, die den einzelnen Generationen, namentlich den Kindern und Jugendlichen, in den jeweiligen Gesellschaften zukommt. Nach mehr als 50 Jahren forschender Feldarbeit zur Kulturanthropologie vor allem im südpazifischen Raum, wie auch als aufgeschlossene und engagierte Zeitgenossin war Margaret Mead besonders prädestiniert, den geschichtlichen Wandel, dem die verschiedensten Kulturen unterworfen sind, zu beschreiben und einen Bezug zu unserer gegenwärtigen Zivilisation herzustellen.

Mead charakterisiert drei Kulturformen, die sich im Wesentlichen durch ihre Orientierung entweder an der Vergangenheit, der Gegenwart oder der Zukunft unterscheiden.
 

Die postfigurative Kultur

ist vergangenheitsbestimmt und konservativ, die Alten dominieren in der Gesellschaft und sind Gewähr dafür, dass das Bisherige erhalten und bewahrt bleibt. Kinder, Jugendliche und die Erwachsenen lernen, was die Alten vorleben, sie orientieren sich an deren Vergangenheit. Treue, Pflicht und Beständigkeit sind die geforderten Tugenden.
 

Die kofigurative Kultur

wird bestimmt durch die Werte, die in der fortpflanzungsfähigen, erwerbstätigen und leistungsstarken Eltern- bzw. Erwachsenengeneration vorherrschen. Das Lernen findet unter Ebenbürtigen statt. Die Orientierung an den jeweils gegenwärtigen Notwendigkeiten ist kulturbestimmend. Diese Kulturform ist in einem gewissen Sinn opportunistisch und verlangt Flexibilität und Anpassungsfähigkeit.
 

In der präfigurativen Kultur

lernen die Alten und Erwachsenen von den Jugendlichen. Die Kultur befindet sich in einer Pioniersituation, in welcher unbekannt ist, was das Neue sein wird. Es gibt kein gültiges Vorbild mehr, an das man sich mit Sicherheit halten könnte. Alle müssen sich mit Fähigkeiten ausrüsten, die zukunftsoffen sind.