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Auf der Suche nach dem verlorenen Glück (18)

Menschen mit erfüllter Kindheit erfreuen sich an nützlicher Arbeit.

Bei den Kontinuum-Menschen gibt es eine Vielfalt von Motiven, um deretwillen sie Dinge und Menschen begehren, aber andere lediglich auszustechen gehört nicht dazu. Sie haben keine Wettbewerbsspiele, wenngleich es Spiele gibt. Es gibt das Ringen, aber es gibt keinen Wettkampf. Ihr Gefühlsleben erfordert das nicht, folglich sieht ihre Kultur es nicht vor. Uns fällt es schwer, uns das Leben ohne Wettbewerb vorzustellen – ebenso schwer wie die Vorstellung, wir fühlten uns 'richtig' gerade so wie wir sind.

Das gleiche ließe sich sagen von der Jagd nach Neuem. Sie ist in so hohem Maße ein Bestandteil der gegenwärtigen Phase unserer Kultur, dass unser natürlicher Widerstand gegen Veränderung eine Verzerrung erfahren hat. Es scheint fast, als habe er sich in einen Zwang verwandelt, sich mit einer so regelmäßigen Häufigkeit zu verändern, dass es an Eintönigkeit oder Unveränderlichkeit grenzt.

Seit kurzem ist die Vorstellung aufgekommen, der neueste Weg müsse auch der beste Weg sein. Die Werbung hat es übernommen, den Neuheiten-Wettlauf zu fördern. Es gibt keine Rast, keine Atempause. Nichts darf je gut genug sein, nichts je zufrieden stellend. Unsere unterschwellige Unzufriedenheit wird im Wunsch nach dem Neuesten kanalisiert.

Unter den Dingen ganz oben auf der Liste sind solche, die Arbeit sparen. Beim arbeitssparenden Gerät ist die Anziehung zweifacher Art, genährt durch zwei Aspekte der Entbehrung des Getragenwerdens. Die erste, etwas 'richtiges' zu erwerben, wird verstärkt durch die zweite, mit der geringsten Anstrengung den höchsten Grad an Wohlbefinden zu erreichen. Bei einem Menschen mit vollständigem Kontinuum weicht die Fähigkeit des Säuglings, das Erwünschte ohne sein Zutun zu erlangen, dem wachsenden Wunsch, von seiner Arbeitsfähigkeit Gebrauch zu machen. Wenn als passives Baby kein Erfolg erfahren wurde, besteht eine Neigung zum Knopfdrücken, zum Arbeitssparen als Bestätigung, daß alles für einen getan und nichts von einem erwartet werde. Die Handlung des Knopfdrückens gleicht der des Signalgebens an eine Person, die sich um einen kümmert, kann dabei jedoch mit der Zuversicht auf Erfüllung des Wunsches ausgeführt werden. Der Trieb zu arbeiten, notwendigermaßen stark bei gesundem Kontinuum, ist verkümmert; er kann sich auf dem unfruchtbaren Boden fehlender Bereitschaft, für sich selber zu sorgen, nicht richtig entwickeln. Arbeit wird, was es für die meisten von uns ist: eine grollend ausgeübte Notwendigkeit. Und das arbeitssparende Gerät strahlt mit dem Versprechen der vermissten Bequemlichkeit. Bis dahin wird die Auflösung der Diskrepanz zwischen dem erwachsenen Wunsch, seine Fähigkeiten zu nutzen, und dem kindlichen Wunsch, nutzlos zu sein, häufig in etwas gefunden, das zutreffend Erholung genannt wird.

Ein Mensch, der sein notwendiges lustloses Arbeitsleben inmitten von Papieren und Gedanken verbringt, (er-)holt sich dann seine angeborene Erwartung körperlicher Arbeit durch so etwas wie Golf wieder. Ohne sich der Tatsache bewusst zu sein, dass dessen Haupttugend seine Nutzlosigkeit ist, trottet der Golfspieler mit einer schweren Last von Schlägern in der Sonne herum und konzentriert immer wieder seine Aufmerksamkeit auf das Problem, einen Ball dazu zu bringen, dass er in ein Loch in der Erde fällt; dies wird auf sehr unpraktische Weise mit dem Ende eines der Schläger ausgeführt, nicht etwa dadurch, dass man den Ball hinträgt und ihn hineinfallen lässt. Würde er zu all dem gezwungen, so würde er sich arg unter Druck gesetzt fühlen; da es jedoch Erholung genannt wird und garantiert keinem Zweck dient, außer ihn fitzuhalten, kann er es ebenso genießen, wie die Kontinuum-Menschen sich an nützlicher Arbeit erfreuen.