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Auf der Suche nach dem verlorenen Glück (17)

Die Suche nach einem Partner ist oft eine traurige und endlose Angelegenheit.

Liebeswerben ist häufig ein Versuchsfeld zur Klärung, wie weit die frühkindlichen Bedürfnisse jedes Partners sich erfüllen lassen. Für Menschen mit weit reichenden Ansprüchen – Menschen, deren frühes Leben sie ohne ausreichende Erfüllung gelassen hat, um mit einem anderen Menschen und seinen Bedürfnissen auch nur befriedigende Kompromisse zu schließen – ist die Suche nach einem Partner oft eine traurige und endlose Angelegenheit. Sie wurden in der Frühkindheit im Stich gelassen und ihre Sehnsüchte sind umfassend und tief. Die Angst davor, erneut im Stich gelassen zu werden, kann so stark sein, dass sie in dem Augenblick, da die Gefahr besteht, einen Gefährten zu finden, in großem Schrecken die Flucht ergreifen.

Unzählige Männer und Frauen sind Opfer eines Verhaltens-'Musters' hinsichtlich der Liebeswerbung, das eine scheinbar unerklärliche Angst vor dem Glücklichsein offenbart. Auch wenn es ziemlich leicht ist, die Angst vor dem Finden eines Partners zu überwinden, scheuen Bräutigame am Altar, und Bräute weinen noch immer vor Angst, wenn die Zeit kommt, vorzutreten und ihr Glück zu beanspruchen. Doch viele leben so jahrelang weiter, mit wechselnden Partnern auf der Suche nach einer Beziehung, die sie nicht benennen können. Sie sind unfähig, sich an irgendjemand so Unbedeutenden zu binden wie einen Mann oder eine Frau, die nicht größer oder wichtiger sind als sie selbst.

Die Schwierigkeit, einen annehmbaren Gefährten zu finden, ist durch kulturelle Leitbilder wie die von Film, Fernsehen, Romanen, Zeitschriften und der Werbung herausgestellten Liebesobjekte noch komplizierter geworden. Die den Zuschauer zum Zwerg machenden Kinoleitbilder erwecken die Illusion, dies seien die langverlorenen 'richtigen' bzw. Mutterstatur aufweisenden Menschen. Wir hegen ein vernunftwidriges Zutrauen zu diesen überdimensionalen Geschöpfen, und wir übertragen auf die Schauspieler selbst die Aura von Vollkommenheit, die ihnen in unserer Vorstellung anhaftet. Sie können nichts Falsches tun, sie stehen jenseits der Art von Urteilen, wie wir sie übereinander fällen. Und um alles noch mehr zu verwirren, prägen die Figuren, die sie darstellen, wie unrealistisch auch immer sie sein mögen, die Normen für unsere Wünsche, durch welche die wirklichen Menschen noch weniger zufrieden stellend als je erscheinen.

Der Gedanke, dass Erfüllung, d.h. das Gefühl der Richtigkeit, durch Kämpfen und Gewinnen erreichbar sei, ist eine Erweiterung dessen, was Freud 'Geschwisterrivalität' nannte. Er meinte, wir alle hätten Eifersucht und Hass auf unsere Brüder und Schwestern zu bewältigen, die unseren exklusiven Zugang zu unseren Müttern bedrohten. Aber Freud hatte keine ungeschädigten Menschen in seinem Bekanntenkreis. Hätte er Gelegenheit gehabt, Kontinuum-Menschen kennenzulernen, so hätte er festgestellt, dass der Gedanke des Konkurrierens und Gewinnens als Selbstzweck ihnen gänzlich unbekannt ist. Er kann daher nicht als integraler Bestandteil der menschlichen Persönlichkeit angesehen werden. Wenn einem Baby alles an Erfahrung auf den Armen seiner Mutter zuteil geworden ist, was es braucht, und es sich von ihr aus eigenem freien Willen löst, so wird es dadurch befähigt, ohne Schwierigkeit die Ankunft eines neuen Babies an dem Ort, den es freiwillig verlassen hat, zu ertragen. Es besteht kein Grund zur Rivalität, wenn nichts beansprucht wurde, was es noch braucht.