Zurück Start Höher Weiter

Auf der Suche nach dem verlorenen Glück (10)

Das Baby selbst zeigt durch sein Verhalten, was es will.

Es gibt jedoch noch immer Grenzen, innerhalb derer die Erfahrungen des Babies stattfinden müssen, wenn sie ihm dienlich sein sollen. Es kann sich nicht richtig entwickeln ohne die von ihm benötigte Art und Vielfalt von Gelegenheiten und Anteilnahme durch andere. Es müssen ihm mehr Gegenstände, Situationen und Menschen zur Verfügung stehen, als es gebrauchen kann, so daß es unter ihnen seine Fähigkeiten entdecken und ausweiten kann; und natürlich müssen sie sich in geeignetem Maße verändern: so häufig wie erforderlich, aber nicht allzu radikal oder allzu oft.

In einer Kontinuum-Gesellschaft ist die Haltung der Mutter bzw. Pflegeperson eines Babies entspannt. Gewöhnlich ist sie mit etwas anderem als Sich-um-das-Baby-Kümmern beschäftigt, aber jederzeit empfänglich für einen Besuch des krabbelnden oder kriechenden Abenteurers. Sie hört nicht auf mit Kochen oder anderer Arbeit, es sei denn, ihre volle Aufmerksamkeit wird erfordert. Sie öffnet dem kleinen Sucher nach Rückversicherung nicht ihre Arme, sondern erlaubt ihm in ihrer ruhigen, beschäftigten Art, von ihrer Person Gebrauch zu machen, oder gewährt ihm, wenn sie gerade umherläuft, einen durch einen Arm gestützten Ritt auf ihrer Hüfte.

Sie initiiert die Kontakte nicht, noch trägt sie – außer auf passive Art – zu ihnen bei.

Das Baby selbst sucht sie auf und zeigt ihr durch sein Verhalten, was es will. Seine Wünsche erfüllt sie vollständig und bereitwillig, aber sie fügt nichts hinzu. In ihrem gesamten Verkehr miteinander ist es der aktive, sie der passive Teil; es kommt zu ihr zum Schlafen, wenn es müde, und zum Gefüttertwerden, wenn es hungrig ist. Seine Erforschungen der weiten Welt erhalten durch seinen Rückgriff auf sie und seine Gewissheit ihres steten Daseins, während es fort ist, Gegengewicht und Bestärkung.

Weder fordert es noch erhält es ihre volle Aufmerksamkeit, denn es hat keine angestauten Sehnsüchte, keine uralten Hungergefühle, die an seiner Hingabe an das Hier und Jetzt nagen könnten. In Übereinstimmung mit der Ökonomie der Natur verlangt es nicht mehr als es braucht.

Die einzige Beeinflussung seitens der Mitglieder seiner Familie und Gesellschaft besteht darin, dass sie von ihm erwarten, es könne sich um sich selbst kümmern. Wenn sie es an einem sicheren Ort absetzt, erwartet sie von ihm, dass es ohne Beaufsichtigung unversehrt bleiben würde. Unbeaufsichtigt oder, was häufiger vorkommt, am Rande der Aufmerksamkeit einer Gruppe von Kindern, übernimmt das Baby die Verantwortung für seine eigenen Beziehungen zu all den umgebenden Möglichkeiten.