Start Höher Weiter

Auf der Suche nach dem verlorenen Glück (1)

Unsere Einstellung zu den Kindern muss sich von Grund auf verändern.

Das Thema ist das menschliche 'Kontinuum', und was ein Leben im Einklang damit bedeuten müsste. Gemeint ist mit dem Begriff die uns angeborene, kontinuierliche Folge von triebenergetisch motivierten Erwartungen, die erfüllt werden müssen, ehe der Organismus sich unbeeinträchtigt auf seine nächste (evolutionär festgelegte) Entwicklungsstufe begeben kann. Werden sie es nicht, und dies beginnt mit dem ersten Atemzug des Neugeborenen, so ist das schließliche Ergebnis ein Leben in Unzufriedenheit, Vertrauensmangel, Liebesunfähigkeit und verdrängter Angst: die fatale Art von Verklemmung, an der wir 'Zivilisierten' durchweg leiden.

Um konkreter zu werden: Es gibt kein Tier, das nicht 'wüsste' (unfehlbar und ohne Zweifel), was es braucht für sein Wohlbehagen und seine Gesundheit, was ihm bekömmlich ist – und vor allem: wie es seine Jungen behandeln muss, damit diese sich optimal entwickeln. Der Mensch in der Zivilisation jedoch weiß es nicht – er hat es vergessen.

Kleinkinder allerdings tragen dieses unfehlbare Wissen über die eigenen Bedürfnisse noch in sich. Und schreien es, da die Umstände dem generell nicht entsprechen, heraus in tiefer Seelenqual – zu einem Zeitpunkt, da sie noch nicht einmal sprechen, geschweige denn logisch denken können. Nur selten wird der Ausdruck dieser Qual als solcher von Eltern oder anderen Pflegepersonen verstanden und beachtet. Schmerz, Angst, extreme Verstörung und Verunsicherung insbesondere hinsichtlich dessen, was richtig ist, sind auch dann die Folge, wenn sich keine besonders offenkundigen 'neurotischen' Symptome einstellen. Denn die früheste Erfahrung war: alles ist falsch. Also wird auch das eigene Verhalten falsch. Im günstigsten Fall ist das Resultat ein fanatisches Sich-Klammern an äußere Autoritäten. Im schlimmsten: Kriminalität, Sucht, Psychose, Selbstmord – all das, worunter wir als Einzelne wie als Gesellschaft immer deutlicher leiden. Hier, in der Vernachlässigung der Erwartungen des Kontinuums zum frühesten Zeitpunkt, liegt die Ursache für unser aller Unglück.

Wesentlich ist, dass wir endlich beginnen, uns neue Gedanken zu machen über die Beschaffenheit des Menschen. Tun wir es in dem Sinne: unser Leben kann, ja muss sich von Grund auf verändern – besonders, was unsere Einstellung zu den Kindern betrifft, die ja die verkörperte Hoffnung der Menschheit sind. Es ist Zeit, dass wir alle dementsprechend zu handeln beginnen, auf dass die Herrschaft der Angst in der Welt endlich eingedämmt werde.