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Allgemeine Menschenkunde (12)

Gefühl und Wille - Wesensglieder des Menschen

Das Gefühl in Beziehung zum Willen

In der Zukunftserziehung und im Zukunftsunterricht muss ein ganz besonderer Wert auf die Willens- und Gemütsbildung gelegt werden. Was ist denn eigentlich ein Gefühl? Ein Gefühl ist mit dem Willen sehr verwandt. Wille ist, ich möchte sagen, nur das ausgeführte Gefühl, und das Gefühl ist der zurückgehaltene Wille. Der Wille, der sich noch nicht wirklich äußert, der in der Seele zurückbleibt, das ist das Gefühl. Daher wird man das Wesen des Gefühls auch erst dann verstehen, wenn man das Wesen des Willens durchdringt. Nun können Sie schon aus meinen bisherigen Auseinandersetzungen sehen, dass alles, was im Willen lebt, sich nicht vollständig ausgestaltet in dem Leben zwischen Geburt und Tod. Es bleibt im Menschen, wenn er einen Willensentschluss ausführt, immer etwas übrig, was sich nicht erschöpft in dem Leben bis zum Tod. Es bleibt ein Rest, der im Menschen fortlebt und sich durch den Tod hindurch fortsetzt. Dieser Rest muss durch das ganze Leben und insbesondere auch im kindlichen Alter berücksichtigt werden.
 

Geistige, seelische und leibliche Wesensglieder des Menschen

Wir wissen, wenn wir den vollständigen Menschen betrachten, so betrachten wir ihn nach Leib, Seele und Geist. Der Leib wird zunächst, wenigstens seinen gröberen Bestandteilen nach, geboren. Der Leib wird also in die Vererbungsströmung einbezogen, trägt die vererbten Merkmale. Das Seelische ist schon in der Hauptsache das, was sich aus dem vorgeburtlichen Dasein mit dem Leiblichen verbindet, hinuntersteigt in das Leibliche. Aber das Geistige ist im gegenwärtigen Menschen nur seiner Anlage nach vorhanden. Da ist zunächst das vorhanden, was wir das Geistselbst nennen. Ein deutliches Bewusstsein vom Geistselbst ist insbesondere bei solchen Menschen vorhanden, die auf das Geistige zu sehen vermögen. Sie nennen dieses Geistselbst als etwas im Menschen Lebendem 'Manas'. Das Volk hat, bevor es ganz von der materialistischen Gesinnung ergriffen worden ist, das, was vom Menschen nach dem Tod übrig bleibt, die 'Manen' genannt. Es gebraucht die Mehrzahl, weil der Mensch in dem Augenblick, wo er durch die Pforte des Todes geht, von einer Mehrzahl von geistigen Wesenheiten aufgenommen wird. Ein zweiter, höherer Bestandteil des Menschen ist dann das, was wir den Lebensgeist nennen. Dieser Lebensgeist ist schon sehr wenig wahrnehmbar innerhalb des gegenwärtigen Menschen. Er ist etwas sehr geistiger Art im Menschen, was sich in ferner Menschenzukunft entwickeln wird. Und dann das Höchste, was im Menschen ist, was gegenwärtig eben nur der ganz geringfügigen Anlage nach vorhanden ist, das ist der eigentliche Geistesmensch.

Wenn auch im gegenwärtigen, hier auf der Erde zwischen Geburt und Tod lebenden Menschen diese drei höheren Glieder der Menschennatur nur der Anlage nach vorhanden sind, so entwickeln sie sich, allerdings unter dem Schutz höherer geistiger Wesenheiten, zwischen Tod und neuer Geburt doch sehr bedeutsam. Wenn also der Mensch stirbt und sich wieder in die geistige Welt hineinlebt, entwickeln sich diese drei Glieder sehr deutlich, gewissermaßen ein zukünftiges Menschheitsdasein vordeutend, sehr deutlich. Also geradeso wie der Mensch sich in seinem jetzigen Leben geistig-seelisch zwischen Geburt und Tod entwickelt, so hat er auch nach dem Tod eine deutliche Entwicklung, nur dass er dann, gleichsam wie an einer Nabelschnur, an den geistigen Wesenheiten der höheren Hierarchien dranhängt.

Fügen wir zu den heute kaum wahrnehmbaren höheren Gliedern der Menschennatur dasjenige hinzu, was wir jetzt schon wahrnehmen. Das ist zunächst das, was sich ausprägt in der Bewusstseinsseele, in der Verstandesseele oder Gemütsseele und in der Empfindungsseele. Das sind die eigentlichen Seelenbestandteile des Menschen. Wollen wir heute beim Menschen von der Seele sprechen, wie sie im Leibe lebt, so müssen wir von den eben angeführten drei Seelengliedern sprechen. Wollen wir von seinem Leib sprechen, so sprechen wir von dem Empfindungsleib, dem feinsten Leib, den man auch astralischen Leib nennt, von dem Lebensleib oder ätherischen Leib und dem groben physischen Leib, den wir mit unseren Augen sehen und den die äußere Wissenschaft zergliedert. Damit haben wir den ganzen Menschen vor uns.