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Allgemeine Menschenkunde (11)

Die Knochen-Nervennatur und Blut-Muskelnatur des Menschen

Neuschöpfung von Stoffen und Kräften durch die Berührung von Blut und Nerv

Der Mensch bekommt, indem er aus der geistigen Welt heruntersteigt in die physische, die Umkleidung seines physischen Leibes. Aber natürlich ist der physische Leib anders, wenn man ihn als Kind bekommt, als wenn man ihn später durch den Tod ablegt. Da ist etwas mit dem physischen Leib geschehen, denn er ist durchdrungen von den geistig-seelischen Kräften des Menschen. Wir essen alle dasselbe, was auch die Tiere essen, das heißt, wir verwandeln sie unter der Mittätigkeit von etwas, was die Tiere nicht haben, von etwas, was aus der geistigen Welt heruntersteigt, um sich mit dem physischen Menschenleib zu vereinigen. Wir können sagen: Die Stoffe, welche der Mensch empfängt, und auch die Kräfte, welche er mit der Geburt empfängt, die erneuert er während seines Lebens und gibt sie in verwandelter Form an den Erdenprozess ab. Er übergibt damit dem Erdenprozess etwas, was durch ihn fortwährend aus der übersinnlichen Welt in den physisch-sinnlichen Erdenprozess einfließt. Dadurch vermittelt der Mensch fortwährend das Herunterträufeln von Übersinnlichem an Sinnliches, an Physisches. Diese Tropfen, die der Mensch bei der Geburt aufnimmt, die er bei seinem Tod abgibt, die sind ein fortwährendes Befruchten der Erde durch übersinnliche Kräfte, wodurch der Evolutionsprozess der Erde erhalten wird. Ohne menschliche Leichname wäre daher die Erde längst tot.
 

Das Walten todbringender Kräfte im Knochen-Nervensystem

Wir können nun fragen: Wie wirken die todbringenden Kräfte, die draußen in der Natur gegenwärtig sind, in die menschliche Natur herein? Sie walten so, dass der Mensch alle diejenigen Organisationen durch sie hervorbringt, die in der Linie vom Knochensystem bis zum Nervensystem liegen. Was die Knochen und alles, was mit ihnen verwandt ist, aufbaut, das ist ganz anderer Natur als dasjenige, was die anderen Systeme aufbaut. In uns spielen die todbringenden Kräfte herein: wir lassen sie, wie sie sind, und dadurch sind wir Knochenmenschen. In uns spielen aber noch weiter die todbringenden Kräfte herein: wir schwächen sie ab, und dadurch sind wir Nervenmenschen. Was ist ein Nerv? Ein Nerv ist etwas, was fortwährend Knochen werden will, was nur dadurch verhindert wird, Knochen zu werden, dass es mit nicht knochenmäßigen oder nicht nervösen Elementen der Menschennatur in Zusammenhang steht. Der Nerv will fortwährend verknöchern, er ist fortwährend gedrängt abzusterben, wie der Knochen im Menschen immer etwas in hohem Grad Abgestorbenes ist. Beim tierischen Knochen liegen die Verhältnisse anders, er ist viel lebendiger als der menschliche Knochen. So können Sie sich die eine Seite der Menschennatur vorstellen, indem Sie sagen: Die todbringende Strömung wirkt im Knochen- und Nervensystem. Das ist der eine Pol.
 

Das Walten lebensgebender Kräfte im Blut-Muskelsystem

Die fortwährend Leben gebenden Kräfte, die andere Strömung, wirkt im Muskel- und Blutsystem und in allem, was dazugehört. Der Nerv wird nur dadurch nicht Knochen, weil ihm Blut- und Muskelsystem entgegensteht und sein Knochenwerden verhindert. Besteht im Wachstum eine falsche Verbindung zwischen Knochen einerseits und Blut und Muskeln andererseits, so kommt die Rachitis zustande, die ein Verhindern des richtigen Absterbens des Knochens durch die Muskel-Blutnatur ist. Es ist daher außerordentlich wichtig, dass im Menschen die richtige Wechselwirkung zwischen dem Muskel-Blutsystem auf der einen Seite und dem Knochen-Nervensystem auf der anderen Seite zustande kommt. Indem in unser Auge das Knochen-Nervensystem etwas hereinragt, in der Umhüllung das Knochensystem sich zurückzieht und nur seine Abschwächung, den Nerv, hineinschickt, kommt im Auge die Möglichkeit zustande, die willensartige Wesenheit, die in Muskel und Blut lebt, mit der vorstellungsmäßigen Tätigkeit, die im Knochen-Nervensystem liegt, zu verbinden.
 

Geometrie als Spiegelung kosmischer Bewegungen

Da kommen wir wieder auf etwas, was in der älteren Wissenschaft eine große Rolle gespielt hat. Die Alten haben in ihrem Wissen immer eine Verwandtschaft gefühlt zwischen dem Nervenmark, der Nervensubstanz und dem Knochenmark oder der Knochensubstanz, und sie sind der Meinung gewesen, dass man mit dem Knochenteil ebenso denkt wie mit dem Nerventeil. Das ist auch die Wahrheit. Wir verdanken alles, was wir an abstrakter Wissenschaft haben, der Fähigkeit unseres Knochensystems. Warum kann der Mensch zum Beispiel Geometrie ausbilden? Die höheren Tiere haben keine Geometrie; das sieht man ihrer Lebensweise an. Wodurch bildet der Mensch zum Beispiel die Vorstellung eines Dreiecks aus? Er bildet das abstrakte Dreieck, das im konkreten Leben nirgends vorhanden ist, rein aus seiner geometrisch-mathematischen Phantasie heraus aus. Er zeichnet ein Dreieck und sagt: Das ist ein Dreieck! - In Wahrheit ist das eine unbewusst ausgeführte Bewegung, die er im Kosmos vollführt. Diese Bewegungen, die Sie in der Geometrie fixieren, indem Sie geometrische Figuren zeichnen, führen Sie mit der Erde aus. Solche Bewegungen sind tatsächlich vorhanden. Sie nehmen sie nur nicht wahr, aber dadurch, dass Ihr Rückgrat in die Vertikale gerückt ist, sind Sie in der Ebene, in der diese Bewegungen verlaufen. Das Tier ist nicht in dieser Ebene, es hat sein Rückenmark anders liegen; da werden diese Bewegungen nicht vollführt. Die Erde hat nicht nur die Bewegung, welche sie nach der Kopernikanischen Weltansicht hat: sie hat noch ganz andere, künstlerische Bewegungen, solche Bewegungen zum Beispiel, die in den Linien liegen, welche die geometrischen Körper haben: der Würfel, das Oktaeder, das Dodekaeder, das Ikosaeder und so weiter. Diese Körper sind nicht erfunden, sie sind Wirklichkeit, nur unbewusste Wirklichkeit. Es liegen in diesen und in noch anderen Körperformen merkwürdige Anklänge an dieses für die Menschen unterbewusste Wissen. Das wird dadurch herbeigeführt, dass unser Knochensystem eine wesentliche Erkenntnis hat; aber Sie reichen nicht mit Ihrem Bewusstsein bis zum Knochensystem hinunter. Das Bewusstsein davon erstirbt, es wird nur reflektiert in den Bildern der Geometrie. Der Mensch ist fest mit dem Kosmos verbunden. Indem er die Geometrie ausbildet, bildet er etwas nach, was er selbst im Kosmos tut.