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Allgemeine Menschenkunde (10)

Die Natur ohne den Menschen: Gefahr des Absterbens

Über den zwei Elementen - der Erfassung des Toten durch den Verstand und der Erfassung des Lebendigen, des Werdenden durch den Willen - steht im Menschen etwas, was nur er, kein anderes irdisches Wesen, von der Geburt bis zum Tod in sich trägt: das ist das reine Denken, das sich nicht auf die äußere Natur bezieht, sondern nur auf das Übersinnliche im Menschen selbst, und ihn damit zum autonomen Wesen macht. Wenn Sie von diesem Gesichtspunkt aus die Natur selbst betrachten, werden Sie sich sagen: Ich blicke hin auf die Natur, der Strom des Sterbens ist in mir und auch der Strom des Neuwerdens: Sterben und wiederum geboren werden. Will man diese Strömungen in der Natur auseinander halten, so muss man sich fragen: Wie stünde es denn mit der Natur, wenn der Mensch nicht in dieser Natur wäre?
 

Absonderung der höheren Tierwelt vom Menschen

Ein heutiger Naturforscher würde sich auf seine Wissenschaft besinnen und sagen: Dann wären auf der Erde Mineralien, Pflanzen und Tiere, nur der Mensch wäre nicht da. Er könnte vielleicht noch hinzufügen: Der Mensch verändert durch sein Tun die Erdoberfläche. Aber das ist nicht so erheblich gegenüber den anderen Verwandlungen, welche durch die Natur selbst geschehen. Immer würde der Naturforscher sagen: Es würden sich Mineralien, Pflanzen und Tiere entwickeln, ohne dass der Mensch dabei wäre. Das ist nicht richtig. Wäre der Mensch nicht in der Erdevolution vorhanden, dann wären die Tiere zum großen Teil nicht da. Denn ein großer Teil, namentlich die höheren Tiere, ist nur dadurch in der Erdevolution entstanden, weil der Mensch genötigt war, bildlich gesprochen seine Ellenbogen zu verwenden. Er musste auf einer bestimmten Stufe seiner Erdentwicklung aus seinem eigenen Wesen, in dem damals noch ganz anderes war, als jetzt in ihm ist, die höheren Tiere heraussondern, musste sie abwerfen, damit er weiterkommen konnte. So war der Mensch in seinen früheren Entwicklungszuständen mit der Tierwelt zusammen und hat dann später die Tierwelt wie einen Bodensatz ausgeschieden. Die Tiere wären nicht diese heutigen Tiere geworden, wenn der Mensch nicht hätte so werden sollen, wie er jetzt ist. Ohne den Menschen in der Erdentwicklung würden also die Tierformen und die Erde ganz anders ausschauen, als es heute der Fall ist.
 

Belebung der Mineral- und Pflanzenwelt durch den menschlichen Leichnam

Gehen wir über zur mineralischen und pflanzlichen Welt. Da sollten wir uns darüber klar sein, dass nicht nur die niederen Tierformen, sondern auch die pflanzliche und die mineralische Welt längst erstarrt wären, nicht mehr im Werden wären, wenn der Mensch nicht auf der Erde wäre. Wir sind uns gar nicht bewusst, dass das fortwährende Übergehen menschlicher Leichname in die Erde, gleichgültig ob es durch Verbrennen oder durch Begraben geschieht, ein realer Prozess ist, der fortwirkt. Die Hefe hat für das Brotbacken eine gewisse Bedeutung, trotzdem nur wenig dem Brot zugesetzt wird. Sie wissen, dass das Brot nicht gedeihen könnte, wenn nicht Hefe dem Teig zugesetzt würde. Ebenso wäre die Erdentwicklung längst in ihren Endzustand hineingekommen, wenn ihr nicht fortwährend die Kräfte des menschlichen Leichnams, der mit dem Tod von dem Geistig-Seelischen abgesondert ist, zugeführt würden. Durch diese Kräfte, die in den Leichnamen sind, wird die Evolution der Erde unterhalten. Dadurch werden Mineralien dazu veranlasst, ihre Kristallisationskräfte noch heute zu entfalten, ohne die sie längst zerbröckelt wären, sich aufgelöst hätten. Dadurch werden Pflanzen, die längst nicht mehr wachsen würden, veranlasst, heute noch zu wachsen. Und auch mit Bezug auf die niederen Tierformen ist es so. Der Mensch übergibt der Erde in seinem Leib das Ferment, gleichsam die Hefe für die Weiterentwicklung.

Daher ist es nicht bedeutungslos, ob der Mensch auf der Erde lebt oder nicht. Es ist einfach nicht wahr, dass die Erdentwicklung in Bezug auf das Mineralreich, Pflanzenreich und Tierreich auch dann vorwärts gehen würde, wenn der Mensch nicht dabei wäre! Der Naturprozess ist ein einheitlicher , ein geschlossener, zu dem der Mensch dazugehört. Der Mensch wird nur richtig vorgestellt, wenn er selbst noch mit seinem Tod als drinnenstehend in dem kosmischen Prozess gedacht wird.