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Allgemeine Menschenkunde (8)

Sympathie und Antipathie - Dreigliedrigkeit - Willensbildung und Vorstellungsbildung

Das Menschenwesen kann eigentlich nur im Zusammenhang mit dem Kosmischen begriffen werden. Denn indem wir vorstellen, haben wir das Kosmische in uns. Wir waren im Kosmischen, ehe wir geboren wurden, und unser damaliges Erleben spiegelt sich jetzt in uns. Wir werden wieder im Kosmischen sein, wenn wir die Todespforte durchschritten haben, und unser künftiges Leben drückt sich keimhaft aus in dem, was in unserem Willen waltet. Was in uns unbewusst waltet, das waltet sehr bewusst für das höhere Erkennen im Kosmos.
 

Ineinanderspiel von Sympathie und Antipathie

Wir haben selbst in der leiblichen Offenbarung einen dreifachen Ausdruck dieser Sympathie und Antipathie. Wir haben drei Herde, wo Sympathie und Antipathie ineinander spielen. Zunächst haben wir in unserem Kopf einen solchen Herd, im Zusammenwirken von Blut und Nerven, wodurch das Gedächtnis entsteht. Überall, wo die Nerventätigkeit unterbrochen ist, überall, wo ein Sprung ist, da ist ein solcher Herd. Ein weiterer solcher Sprung findet sich im Rückenmark, in den, in die sympathischen Nerven eingebetteten Ganglienhäufchen. An drei Stellen unseres Organismus, im Kopf, in der Brust und im Unterleib sind Grenzen, an denen sich Antipathie und Sympathie begegnen. Es ist mit Wahrnehmen und Wollen nicht so, dass sich etwas umleitet von einem sensitiven Nerven zu einem motorischen Nerven, sondern ein gerader Strom springt über von einem Nerven auf den anderen, und dadurch wird in uns das Seelische berührt: in Gehirn, Rückenmark und sympathischem Nervensystem.
 

Dreigliedrigkeit des Menschen

Äußerlich sind wir Menschen deutlich gegliedert in das Kopfsystem, in das Brustsystem und in das eigentliche Leibsystem mit den Gliedmaßen. In der Realität können wir keine strengen Grenzen zwischen jedem System ziehen. Wir sind im Kopf hauptsächlich Kopf, aber der ganze Mensch ist Kopf, nur ist das andere nicht hauptsächlich Kopf. Denn wie wir im Kopf die eigentlichen Sinneswerkzeuge haben, so haben wir über den ganzen Leib zum Beispiel den Tastsinn und den Wärmesinn ausgebildet; indem wir daher Wärme empfinden, sind wir ganz Kopf. Ebenso ist es mit der Brust. Brust ist die eigentliche Brust, aber nur hauptsächlich, denn der ganze Mensch ist wiederum Brust. Also auch der Kopf ist etwas Brust und auch der Unterleib mit den Gliedmaßen. Die Glieder gehen also ineinander über. Und ebenso ist es mit dem Unterleib. Dass der Kopf Unterleib ist, haben einige Physiologen bemerkt; denn die sehr feine Ausbildung des Kopf-Nervensystems liegt nicht in dem, was unser Stolz ist, im Gehirn, in der äußeren Hirnrinde, sondern die liegt unter der äußeren Hirnrinde. Ja der kunstvollere Bau, die äußere Hirnrinde, ist gewissermaßen schon eine Rückbildung; da ist der komplizierte Bau schon in Rückbildung begriffen; es ist vielmehr schon ein Ernährungssystem im Gehirnmantel vorliegend. Wir haben den Gehirnmantel mit dazu, dass die Nerven, die mit dem Erkennen zusammenhängen, ordentlich mit Nahrung versorgt werden. Und dass wir das über das tierische Gehirn hinausgehende bessere Gehirn haben, das ist nur aus dem Grund, weil wir die Gehirnnerven besser ernähren. Nur dadurch haben wir die Möglichkeit, unser höheres Erkennen zu entfalten.
 

Verhältnis der Glieder zum Kosmos

Warum haben wir den Gegensatz zwischen Kopfsystem - lassen wir zunächst das mittlere System unberücksichtigt - und dem Gliedmaßensystem mit dem Unterleibssystem? Wir haben ihn, weil das Kopfsystem in einem bestimmten Zeitpunkt durch den Kosmos 'ausgeatmet' wird. Der Mensch hat durch die Antipathie des Kosmos seine Hauptesbildung. Im Kopf trägt der Mensch wirklich das Abbild des Kosmos in sich. Das rund geformte menschliche Haupt ist ein solches Abbild. Durch eine Antipathie des Kosmos schafft der Kosmos ein Abbild von sich außerhalb seiner. Das ist unser Haupt. Unser Gliedmaßensystem, mit dem die Sexualsphäre zusammengehört, ist in den Kosmos eingegliedert, und der Kosmos zieht es an, hat mit ihm Sympathie. Im Haupt begegnet unsere Antipathie der Antipathie des Kosmos, die stoßen dort zusammen. Da, in dem Aufeinanderprallen unserer Antipathie mit denen des Kosmos, entstehen unsere Wahrnehmungen. Alles Innenleben, das auf der anderen Seite des Menschen entsteht, rührt von dem liebevollen sympathischen Umschlingen unseres Gliedmaßensystems durch den Kosmos her.
 

Willensbildung und Vorstellungsbildung

So drückt sich in der menschlichen Leibesgestalt aus, wie der Mensch auch seelisch aus dem Kosmos heraus gebildet ist und was er in seiner Trennung wiederum aus dem Kosmos heraus aufnimmt. Sie werden daher aufgrund solcher Betrachtungen leichter einsehen, dass ein großer Unterschied zwischen der Willensbildung und der Vorstellungsbildung ist. Wirken Sie einseitig auf die Vorstellungsbildung, so weisen Sie den ganzen Menschen auf das Vorgeburtliche zurück, und Sie werden ihm schaden, wenn Sie ihm rationalistisch erziehen, weil Sie dann seinen Willen einspannen in das, was er schon absolviert hat. Sie dürfen in der Erziehung nicht zuviel abstrakte Begriffe an das Kind heranbringen. Sie müssen mehr Bilder darin einmischen. Warum? Bilder sind Imaginationen, gehen durch die Phantasie und Sympathie. Begriffe sind Abstraktionen, gehen durch das Gedächtnis und durch die Antipathie. Wenn Sie also beim Kind viele Abstraktionen anwenden, werden Sie fördern, dass das Kind sich besonders intensiv verlegen muss auf den Prozess des Kohlensäurewerdens, Kohlensäurebildens im Blut, auf den Prozess der Leibesverhärtung, des Absterbens. Wenn Sie dem Kind möglichst viele Imaginationen beibringen, wenn Sie es möglichst so ausbilden, dass Sie in Bildern zu ihm sprechen, dann legen Sie in das Kind den Keim zum fortwährenden Sauerstoffbewahren, zum fortwährenden Werden, weil Sie es auf die Zukunft, auf das Nachtodliche hinweisen. Wir müssen daher, indem wir uns als Pädagogen die Fähigkeit aneignen, in Bildern zu wirken, das fortwährende Gefühl haben: du wirkst auf den ganzen Menschen, eine Resonanz des ganzen Menschen ist da, wenn du in Bildern wirkst. Dieses in das eigene Gefühl aufnehmen, dass man in aller Erziehung eine Art Fortsetzung der vorgeburtlichen übersinnlichen Tätigkeit bewirkt, dies gibt allem Erziehen die nötige Weihe, und ohne diese Weihe kann man überhaupt nicht erziehen.