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Allgemeine Menschenkunde (5)

Die Bedeutung der inneren spirituellen Beziehung zwischen Lehrer und Kind

So wird zunächst alle Unterrichts- und Erziehungstätigkeit auf ein recht hohes Gebiet gelenkt, auf das Lehren des richtigen Atmens und auf das Lehren des richtigen Rhythmus im Abwechseln zwischen Schlafen und Wachen. Wir werden selbstverständlich solche Verhaltensmaßregeln beim Erziehen und Unterrichten kennenlernen, die nicht etwa auf eine Dressur des Atmens hinauslaufen oder auf eine Dressur von Schlafen und Wachen. Das wird alles nur im Hintergrund stehen. So werden wir uns bewusst werden müssen, wenn wir einem Kind diesen oder jenen Lehrgegenstand beibringen, dass wir dann in der einen Richtung auf das mehr in den physischen Leib Hineinbringen der Geistseele wirken und in der anderen Richtung mehr auf das Hereinbringen der Körperleiblichkeit in die Geistseele.

Unterschätzen wir nicht, dass das wichtig ist, was jetzt gesagt ist, denn Sie werden nicht gute Erzieher und Unterrichter werden, wenn Sie bloß auf dasjenige sehen werden, was Sie tun, wenn Sie nicht auf dasjenige sehen werden, was Sie sind. Wir haben ja die anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft eigentlich aus dem Grund, um die Bedeutsamkeit dieser Tatsache einzusehen, dass der Mensch in der Welt wirkt nicht nur durch dasjenige, was er tut, sondern vor allem durch dasjenige, was er ist. Ein Lehrer, der sich mit Gedanken vom werdenden Menschen beschäftigt, wirkt ganz anders auf die Schüler als ein Lehrer, der von alledem nichts weiß, der niemals seine Gedanken dahin lenkt. Denn was geschieht in dem Augenblick, wo Sie über solche Gedanken nachdenken, das heißt, wo Sie anfangen zu wissen, welche kosmische Bedeutung der Atmungsprozess und seine Umwandlung in der Erziehung hat, welche kosmische Bedeutung der Rhythmusprozess zwischen Schlafen und Wachen hat? In dem Augenblick, wo Sie solche Gedanken haben, bekämpft etwas in Ihnen alles das, was bloßer Persönlichkeitsgeist ist. In diesem Augenblick werden alle Instanzen abgedämpft, welche dem Persönlichkeitsgeist zugrunde liegen. Es wird etwas von dem ausgelöscht, was gerade am meisten im Menschen vorhanden ist dadurch, dass er ein physischer Mensch ist.

Und indem Sie in diesem Ausgelöschtsein leben und in das Klassenzimmer hineingehen, kommt es durch innere Kräfte, dass sich ein Verhältnis herstellt zwischen den Schülern und Ihnen. Da kann es sein, dass die äußeren Tatsachen dem anfangs widersprechen. Sie gehen in die Schule hinein, und vielleicht haben Sie Schüler vor sich, die Sie auslachen. Sie müssen so gestärkt sein durch solche Gedanken, wie wir sie hier pflegen wollen, dass Sie gar nicht auf dieses Auslachen achten, dass Sie es hinnehmen wie eine äußere Tatsache, wie einen plötzlichen Regenschauer. Wenn wir durchdrungen sind von diesen Gedanken, und den rechten Glauben an sie haben, dann wird sich, vielleicht erst nach ein oder zwei Wochen, ein Verhältnis zu den Kindern herstellen, das wir für das wünschenswerte halten. Wir müssen dieses Verhältnis auch gegen Widerstand herstellen durch das, was wir aus uns selbst machen. Und wir müssen uns vor allen Dingen der ersten pädagogischen Aufgabe bewusst werden, dass wir erst selbst aus uns etwas machen müssen, dass eine gedankliche, dass eine innere spirituelle Beziehung herrscht zwischen dem Lehrer und den Kindern und dass wir in das Klassenzimmer eintreten in dem Bewusstsein: Diese spirituelle Beziehung ist da, nicht bloß die Worte, die Ermahnungen, die ich die Kinder erfahren lasse, die Geschicklichkeit im Unterrichten wird da sein. Das alles sind Äußerlichkeiten, die wir gewiss pflegen müssen. Aber wir werden sie nicht richtig pflegen, wenn wir nicht als Grundtatsache das ganze Verhältnis herstellen zwischen den Gedanken, die uns selbst erfüllen, und den Tatsachen, die während des Unterrichts an Leib und Seele der Kinder vor sich gehen sollen. Unsere ganze Haltung im Unterrichten würde nicht vollständig sein, wenn wir nicht das Bewusstsein in uns tragen würden: der Mensch wurde geboren; dadurch wurde ihm die Möglichkeit gegeben, dasjenige zu tun, was er in der geistigen Welt nicht konnte. Wir müssen erziehen und unterrichten, der Atmung erst die richtige Harmonie zur geistigen Welt geben. Der Mensch konnte in der geistigen Welt nicht in derselben Weise den rhythmischen Wechsel zwischen Wachen und Schlafen vollziehen wie in der physischen Welt. Wir müssen diesen Rhythmus so durch Erziehung und Unterricht regeln, dass in der rechten Weise Körperleib oder Leibeskörper in Seelengeist oder Geistseele eingegliedert werde. Das ist etwas, was uns als Gedanke von der menschlichen Wesenheit beherrschen muss.