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Allgemeine Menschenkunde (4)

Atmung, Stoffwechselsystem, Nerven-Sinnes-System, Wachen und Schlafen

Atmung als Vermittler zwischen Stoffwechselsystem und Nerven-Sinnes-System

Unter all diesen Beziehungen, welche der Mensch zur Außenwelt hat, ist die allerwichtigste das Atmen. Ja, das Atmen beginnen wir gerade, indem wir die physische Welt betreten. Dieses Atmen bedeutet sehr viel für die menschliche Wesenheit, denn in diesem Atmen liegt schon das ganze dreigliedrige System des physischen Menschen. Wir rechnen zu den Gliedern des dreigliedrigen physischen Menschen zunächst den Stoffwechsel. Der Atmungsprozess hängt stoffwechselmäßig mit der Blutzirkulation zusammen. Die Blutzirkulation nimmt die auf anderem Wege eingeführten Stoffe der äußeren Welt in den menschlichen Körper auf, so dass auf der einen Seite das Atmen mit dem ganzen Stoffwechselsystem zusammenhängt. Auf der anderen Seite hängt dieses Atmen auch mit dem Nerven-Sinnesleben des Menschen zusammen. Indem wir einatmen, pressen wir fortwährend das Gehirnwasser in das Gehirn hinein; indem wir ausatmen, prellen wir es zurück in den Körper. Dadurch verpflanzen wir den Atmungsrhythmus auf das Gehirn. Wir können sagen: Das Atmen ist der wichtigste Vermittler des die physische Welt betretenden Menschen mit der physischen Außenwelt.
 

Harmonisierung der Atmung mit dem Nerven-Sinnes-Prozess

Aber wir müssen uns auch bewusst sein, dass dieses Atmen durchaus noch nicht so verläuft, wie es zum Unterhalt des physischen Lebens beim Menschen voll verlaufen muss, namentlich nach der einen Seite nicht: es ist beim Menschen, der das physische Dasein betritt, noch nicht die richtige Harmonie, der rechte Zusammenhang zwischen dem Atmungsprozess und dem Nerven-Sinnesprozess hergestellt. Das Kind hat noch nicht so atmen gelernt, dass das Atmen in der richtigen Weise den Nerven-Sinnesprozess unterhält. Da liegt wiederum die feinere Charakteristik desjenigen, was mit dem Kind zu tun ist. Die wichtigsten Maßnahmen in der Erziehung werden daher in der Beobachtung alles desjenigen liegen, was in der rechten Weise den Atmungsprozess in den Nerven-Sinnesprozess hineinorientiert. Im höheren Sinn muss das Kind lernen, in seinem Geist dasjenige aufzunehmen, was ihm dadurch geschenkt werden kann, dass es zum Atmen geboren wird. Sie sehen, dieser Teil der Erziehung wird zu dem Geistig-Seelischen hinneigen: dadurch dass wir das Atmen mit dem Nerven-Sinnesprozess harmonisieren, ziehen wir das Geistig-Seelische in das physische Leben des Kindes herein. Grob ausgedrückt, können wir sagen: Das Kind kann noch nicht innerlich richtig atmen, und die Erziehung wird darin bestehen müssen, richtig atmen zu lehren.
 

Rhythmus zwischen Wachen und Schlafen

Das Kind kann noch etwas anderes nicht richtig, und dieses andere muss in Angriff genommen werden, damit ein Einklang geschaffen werde, zwischen den zwei Wesensgliedern, zwischen dem Körperleib und der Geistseele. Was das Kind nicht richtig kann im Anfang seines Daseins, das ist, den Wechsel zwischen Schlafen und Wachen in einer dem Menschenwesen entsprechenden Weise zu vollziehen. Äußerlich betrachtet kann man freilich sagen: Das Kind kann ja ganz gut schlafen; es schläft ja viel mehr als der Mensch im späteren Lebensalter, es schläft sogar in das Leben hinein. Aber das, was innerlich dem Schlafen und Wachen zugrunde liegt, das kann es noch nicht. Das Kind erlebt allerlei in der physischen Welt. Es gebraucht seine Glieder, es isst, trinkt und atmet. Aber es kann nicht all dasjenige, was es mit den Augen sieht, den Ohren hört, den Händchen vollbringt, wie es mit den Beinchen strampelt, während des Schlafes in die geistige Welt hineintragen und dort verarbeiten und das Ergebnis der Arbeit wieder zurücktragen in die physische Welt während des Wachseins. Sein Schlaf ist ein anderer, als der Schlaf der Erwachsenen. Im Schlaf des Erwachsenen wird vorzugsweise das verarbeitet, was der Mensch erfährt zwischen dem Aufwachen und dem Einschlafen. Dahin muss das Kind durch die richtige Erziehung gebracht werden. Was der Mensch im Wachsein durch seinen Lebensleib von der physischen Welt erfährt, wird in dasjenige hineingetragen, was der Seelengeist oder die Geistseele vom Einschlafen bis zum Aufwachen tut.
 

Rhythmus zwischen physischer Welt und geistiger Welt

Wir können als Erzieher und Unterrichter dem Kind gar nichts von der höheren Welt beibringen. Denn dasjenige, was in den Menschen von der höheren Welt hineinkommt, das kommt hinein in der Zeit vom Einschlafen bis zum Aufwachen. Wir können nur die Zeit, die der Mensch im physischen Wachsein verbringt, so ausnützen, dass er gerade das, was wir mit ihm tun, allmählich in die geistige Welt hineintragen kann und dass durch dieses Hineintragen wiederum die Kraft, die er aus der geistigen Welt mitnehmen kann, in die physische Welt zurückfließen kann, um dann im physischen Dasein ein rechter Mensch zu sein.